Dokumentation aus dem Wiki uebernommen und um die Dienste auf dem Server
erweitert. Alle Anleitungen sind so geschrieben, dass sich der jeweilige
Dienst allein daraus neu aufsetzen laesst.
docs/ Dienste im Heimnetz (aus dem Wiki, anonymisiert)
services/ Dienste auf dem Server mit Konfigurationsvorlagen
- matrix-synapse: Homeserver, Postgres, Well-Known-Delegation
- coturn: TURN-Relay fuer Anrufe
- element-web: Web-Client
- wikijs, gitea, nginx
Durchgehend anonymisiert: echte Domain durch example.com ersetzt, IP-Adressen
und E-Mail-Adressen durch Platzhalter. Konfigurationsdateien liegen nur als
.example mit Platzhaltern statt echter Secrets vor.
Die Anleitungen halten die Stolpersteine fest, die beim Aufbau tatsaechlich
aufgetreten sind, unter anderem:
- Synapse verlangt LC_COLLATE=C, sonst startet es nicht
- server_name ist nachtraeglich nicht aenderbar -> Delegation noetig
- register_new_matrix_user liest conf.d nicht, Secret muss per -k kommen
- coturn braucht external-ip, sonst kommen keine Medien durch
- Gruppenmitgliedschaft fuer den Zertifikatszugriff wirkt erst beim Neustart
- nginx vererbt add_header nicht in location-Bloecke mit eigenen Direktiven
7.3 KiB
TURN-Server (coturn)
TURN-Relay für Sprach- und Videoanrufe in Matrix/Element.
| Punkt | Wert |
|---|---|
| Software | coturn |
| Öffentlich | turn.example.com |
| Ports | 3478 TCP/UDP (STUN/TURN), 5349 TCP/UDP (TURNS), 49152–65535 UDP (Relay) |
| Authentifizierung | Zeitbegrenzt über gemeinsames Secret |
Wozu überhaupt?
WebRTC verbindet zwei Teilnehmer möglichst direkt. Sitzen beide hinter NAT oder einer restriktiven Firewall, klappt das nicht – der Anruf klingelt, aber es kommt kein Ton an. Der TURN-Server leitet den Medienstrom dann weiter.
Er ist damit ein Relay für fremden Datenverkehr. Ohne Absicherung ist das ein offener Proxy, mit dem sich das interne Netz des Servers erreichen lässt. Der Abschnitt „Absicherung“ unten ist deshalb nicht optional.
Kein festes Passwort
coturn und Synapse teilen sich ein Secret (static-auth-secret bzw.
turn_shared_secret). Fragt ein Client Zugangsdaten an, erzeugt Synapse daraus
per HMAC ein kurzlebiges Paar:
- Benutzername:
<ablaufzeitpunkt>:<benutzer-id> - Passwort: HMAC-SHA1 über den Benutzernamen mit dem Secret, Base64-kodiert
coturn rechnet dasselbe nach. Es gibt also keine angelegten Benutzer – beide Seiten müssen nur exakt dasselbe Secret kennen.
1. Installation
sudo apt-get install -y coturn
# Das Debian-Paket startet ohne diesen Schalter nicht.
sudo sed -i 's/^#\?TURNSERVER_ENABLED=.*/TURNSERVER_ENABLED=1/' /etc/default/coturn
2. Secret erzeugen
openssl rand -hex 32
Derselbe Wert muss in /etc/turnserver.conf (static-auth-secret) und in
der Synapse-Konfiguration (turn_shared_secret) stehen.
3. Konfiguration
turnserver.conf.example nach /etc/turnserver.conf kopieren und anpassen:
sudo cp turnserver.conf.example /etc/turnserver.conf
sudo chown root:turnserver /etc/turnserver.conf
sudo chmod 640 /etc/turnserver.conf
Zwingend zu ersetzen:
static-auth-secret– der oben erzeugte Wertexternal-ip– die öffentliche IP des Serversrealm/server-name– die eigene Domain
external-ip nicht vergessen
Ohne external-ip kündigt coturn hinter NAT seine private Adresse als
Relay-Kandidat an. Der Anruf baut sich dann scheinbar auf, aber es fließen keine
Medien. Zu ermitteln mit:
curl -s -4 ifconfig.me
4. Zertifikat lesbar machen
turns: auf Port 5349 braucht Zertifikat und Key. coturn läuft als Benutzer
turnserver und kommt an Let's-Encrypt-Material standardmäßig nicht heran.
Statt die Rechte global aufzuweichen, eine eigene Gruppe verwenden:
sudo groupadd -f ssl-cert
sudo usermod -aG ssl-cert turnserver
sudo chgrp -R ssl-cert /etc/letsencrypt/live /etc/letsencrypt/archive
sudo chmod -R g+rX /etc/letsencrypt/live /etc/letsencrypt/archive
sudo find /etc/letsencrypt/archive -name 'privkey*.pem' -exec chmod 640 {} \;
Gruppenmitgliedschaften greifen erst beim Start eines Prozesses. Läuft coturn schon, ist danach ein
systemctl restart coturnnötig – einreloadreicht nicht.
Prüfen, ob es wirklich klappt:
sudo -u turnserver head -c 30 /etc/letsencrypt/live/matrix.example.com/privkey.pem
Erneuerung berücksichtigen
coturn liest das Zertifikat nur beim Start. Nach einer Erneuerung würde es mit
dem alten weiterarbeiten, bis es irgendwann abläuft. Deshalb ein Deploy-Hook
nach /etc/letsencrypt/renewal-hooks/deploy/10-reload-services.sh:
#!/bin/sh
set -e
chgrp -R ssl-cert /etc/letsencrypt/live /etc/letsencrypt/archive || true
chmod -R g+rX /etc/letsencrypt/live /etc/letsencrypt/archive || true
find /etc/letsencrypt/archive -name 'privkey*.pem' -exec chmod 640 {} \; || true
systemctl reload nginx || true
systemctl restart coturn || true
Ausführbar machen: sudo chmod +x …/10-reload-services.sh
5. Absicherung
Die denied-peer-ip-Zeilen in der Beispielkonfiguration sperren alle privaten
und reservierten Netze. Ohne sie kann jeder, der Zugangsdaten bekommt, über
den TURN-Server auf localhost und das interne Netz zugreifen – inklusive
Diensten, die nur lokal lauschen.
Weitere gesetzte Schalter:
| Schalter | Wirkung |
|---|---|
no-tcp-relay |
Kein TCP-Relay (RFC 6062). WebRTC braucht es nicht. |
no-multicast-peers |
Kein Relay an Multicast-Adressen |
no-cli |
Telnet-Verwaltungsschnittstelle aus |
no-tlsv1, no-tlsv1_1, no-sslv3 |
Veraltete Protokolle aus |
user-quota, total-quota |
Begrenzt den Missbrauch |
6. Start und Prüfung
sudo systemctl enable --now coturn
sudo systemctl status coturn
Lauschen sollte er auf beiden Ports:
ss -tuln | grep -E '3478|5349'
Im Log darf nicht stehen „cannot start TLS and DTLS listeners“. Das heißt, dass coturn das Zertifikat nicht lesen kann:
sudo journalctl -u coturn | grep -iE 'certificate|private key|TLS'
Relay tatsächlich testen
Ein Blick auf offene Ports genügt nicht – erst eine echte Allocation beweist, dass Authentifizierung und Relay funktionieren. Zugangsdaten selbst berechnen:
python3 - 'HIER-DAS-TURN-SECRET' <<'PY'
import hashlib, hmac, base64, time, sys
secret = sys.argv[1]
user = f"{int(time.time()) + 3600}:testuser"
pw = base64.b64encode(
hmac.new(secret.encode(), user.encode(), hashlib.sha1).digest()).decode()
print(user); print(pw)
PY
Damit eine Allocation anfordern:
turnutils_uclient -u '<benutzername>' -w '<passwort>' -y -n 2 turn.example.com -p 3478
Erfolg sieht so aus – gleich viele gesendete und empfangene Nachrichten, keine verlorenen Pakete:
start_mclient: tot_send_msgs=8, tot_recv_msgs=8
Total lost packets 0 (0.000000%)
Gegenprobe mit falschem Passwort muss Cannot complete Allocation liefern.
turnutils_uclient -T …schlägt miterror 442fehl. Das ist kein Fehler:-Tfordert ein TCP-Relay an, das perno-tcp-relaygesperrt ist.
TLS-Listener separat prüfen:
openssl s_client -connect turn.example.com:5349 -servername turn.example.com </dev/null
Der Domainname muss im Zertifikat stehen:
openssl s_client -connect turn.example.com:5349 </dev/null 2>/dev/null \
| openssl x509 -noout -ext subjectAltName
7. Verbindung zu Synapse
In /etc/matrix-synapse/conf.d/homelab.yaml stehen turn_uris und
turn_shared_secret. Nach dem Neustart lässt sich prüfen, was ein Client
wirklich ausgeliefert bekommt:
curl -s -H "Authorization: Bearer <access-token>" \
https://matrix.example.com/_matrix/client/v3/voip/turnServer
Die zurückgegebenen Zugangsdaten sollten mit turnutils_uclient funktionieren –
das ist der eigentliche Ende-zu-Ende-Nachweis.
Firewall
Freizugeben sind:
- 3478 TCP und UDP
- 5349 TCP und UDP
- 49152–65535 UDP (Relay-Bereich)
Der Relay-Bereich wird oft vergessen. Ohne ihn kommt die Allocation zustande, aber es fließen keine Medien.
Stolpersteine
| Symptom | Ursache |
|---|---|
| Port 5349 fehlt, Log meldet „certificate file is not set properly“ | turnserver darf den Key nicht lesen, oder Dienst lief schon vor der Gruppenänderung |
| Anruf klingelt, kein Ton/Bild | external-ip fehlt oder Relay-Ports gesperrt |
error 442 im Test |
-T verwendet; TCP-Relay ist absichtlich aus |
| Authentifizierung schlägt fehl | Secret in coturn und Synapse verschieden |
| Nach Zertifikatserneuerung bricht TURNS ab | Deploy-Hook fehlt |